Ich komme ursprünglich nicht aus der Region Thun — und vielleicht genau deshalb habe ich in den ersten Jahren hier eine Art Schatzsuche betrieben: fünf kostenlose Badestellen, die weder im Prospekt auftauchen noch in der Tourist-Info standardmässig empfohlen werden. Keine Geheimnisse mehr, aber auch nicht überrannt.
Warum gratis nicht schlechter ist
Kostenlose Badestellen am Thunersee unterliegen der gleichen Wasserqualitäts-Überwachung wie die kommerziellen Strandbäder. Das BAFU misst an denselben Referenzpunkten. Der Unterschied liegt in Liegestuhl, Restaurant und Personal — nicht in der Wasserqualität.
Die fünf Stellen
1. Gwattlischenmoos (Thun West)
Naturschutzgebiet mit langgestrecktem Kiesstrand. Blick auf Niesen und Stockhorn. Anreise: Bus 3 bis Gwatt, dann 8 Minuten zu Fuss. Parkplatz vorhanden, aber klein. WC-Anlage beim Parkplatz. Kein Kiosk, kein Restaurant — selbst versorgen.
Der Einstieg ins Wasser ist sanft, die ersten fünf Meter sind hüfttief. Für Familien mit kleinen Kindern ideal, für Sprünge und Tauchen eher nicht.
2. Merligen Hafenbucht
Kleine Bucht östlich des Dorfes. Kiesstrand, öffentliche Feuerstelle mit Holz-Depot, einzelne Bänke. Anreise per Bus 21 ab Thun, 35 Minuten. Parkplatz öffentlich, kostenlos, 30 Plätze — ab 10 Uhr an Sommer-Samstagen voll.
Die Bucht ist windgeschützt, das Wasser dadurch einen halben bis ganzen Grad wärmer als im offenen See. Der östliche Teil der Bucht ist Schilfgebiet — dort nicht ins Wasser, sondern auf den mittleren Abschnitt ausweichen.
3. Oberhofen Kiesstrand
Direkt neben der Schiffstation, praktisch für Schiff-Tagesgäste. Kein ausgewiesener Parkplatz — wer mit dem Auto kommt, parkt am Dorfrand und läuft. Der Strand ist schmal, der Einstieg über grobe Kiesel nicht jedermanns Sache.
Vorteil: Nähe zum Schloss Oberhofen und zum Restaurant Moospinte (100 Meter). Nachteil: In der Nebensaison (vor Mai, nach Oktober) wenig Schatten.
4. Hünibach Seeufer
Zwischen Hünibach und Oberhofen zieht sich ein unspektakuläres, aber ruhiges Uferstück. Keine Infrastruktur, einige Buchten mit feinem Kies, gepflegter Zugang über den Uferweg. Meine persönliche Lieblingsstelle für ein Feierabend-Bad nach der Arbeit.
Parkplatz: entlang der Seestrasse, kostenlos aber begrenzt (ca. 15 Plätze). ÖV: Bus 21 oder Trolleybus 1 bis Hünibach.
5. Einigen — Aareschleife
Wo die Aare aus dem Thunersee fliesst, gibt es eine kleine Uferzone mit Kies und einem Steg. Technisch ist das noch Thunersee-Wasser, aber bereits die Strömung der Aare spürbar. Nicht für kleine Kinder, dafür interessant für Schnorchler.
Anreise: Zug bis Einigen (10 Minuten ab Thun), dann 10 Minuten zu Fuss. Parken schwierig.
Was du einplanen solltest
- Sonnenschutz — die meisten Stellen haben wenig bis keinen Schatten
- Badeschuhe — der Einstieg ist fast überall kiesig
- Abfallbeutel — bei Gratis-Stellen gibt’s keine Abfallbewirtschaftung, also mitnehmen was man mitbringt
- Bei Merligen: Holz für die Feuerstelle selbst, falls keins da ist (Waldbrand-Warnung beachten)
Was mich zu diesen Stellen gebracht hat
Nach meinem Umzug aus Bern in die Region, als Journalistin mit flexibler Zeit, bin ich oft einfach mit dem Velo dem See entlang gefahren, bis eine Bucht interessant wirkte. Die fünf oben sind das, was nach drei Saisons übrig geblieben ist — Stellen, zu denen ich wiederkehre. Die kommerziellen Bäder sind funktional. Diese fünf haben Charakter.
Fazit, knapp
- Gratis schliesst Qualität nicht aus — die Wasserkontrolle macht keinen Unterschied zwischen Strandbad und Uferstelle.
- Anreise planen, besonders parkplatz-technisch. ÖV ist fast immer die entspanntere Wahl.
- Stille kostet nichts — nur etwas Vorbereitung.
Quellen & weiterführende Links
- BAFU Hydrometrie — Wasserqualität und Temperatur
- Gwatt Naturschutz — Schutzgebiet-Informationen
- SBB Fahrplan — Zug- und Busverbindungen
Letzte redaktionelle Überprüfung: 2026-04-17. Wir aktualisieren Routen-, Preis- und Betriebsinformationen regelmässig.